Was ist Schematherapie?

Sie ist eine Weiterentwicklung innerhalb der Kognitiven Verhaltenstherapieschule, die den klärungsorientierten Ansatz der psychodynamischen Therapieverfahren sowie erlebnisaktivierende Methoden aus der Hypno- und Gestalttherapie mit hinzunimmt. Dadurch ermöglicht sie einen tiefenpsychologischen bzw. psychodynamischen Blick auf das Problem der Klientin / des Klienten. Verfestigte eigene Verhaltensmuster (Schemata), die man verändern möchte, aber bisher nicht konnte, können nach und nach mit Erfahrungen in Kindheit und Jugend (die unsere Persönlichkeit grundlegend prägen) in einen Zusammenhang gebracht werden. Dies verhilft Klient*innen dazu, die eigenen Reaktionen und damit sich selbst besser zu verstehen. Und dieses Verstehen ist bereits ein wichtiger Baustein, um sich Stück für Stück aus diesen eingeschliffenen, alten Verhaltensmustern zu lösen. Man wird flexibler und kann sich bei Stress und in Trigger-Momenten für eine andere, sich selbst gegenüber verständnisvollere Sichtweise auf die Situation entscheiden sowie für ein "erwachseneres", zielführenderes Verhalten.

Ich habe 2016/17 eine Weiterbildung in "schemafokussierter Arbeit in Therapie und Beratung" (bei Sabrina Kayser-Laubenstein, aus Nürnberg) absolviert und kann Ihnen daher diesen Ansatz in meiner Praxis anbieten.

Die Schematherapie ist eine der wichtigsten Therapieformen, wenn eine sog. Persönlichkeitsstörung vorliegt. Der Begriff ist nicht ganz unumstritten, wird aber in der Klinischen Psychologie und Diagnostik allgemein genutzt, wenn Betroffene seit der Kindheit und Jugend bestimmte Verhaltens-, Erlebens- und Beziehungsmuster ausgebildet haben, mit denen sie im Grunde schon ihr ganzes Leben lang sozial "anecken" und dadurch leiden. Betroffene erleben ihr Verhalten und Empfinden als ganz normal ("ich-synton"), bekommen vom Umfeld aber immer wieder gespiegelt, dass es eben nicht normal sei und für Konflikte sorge.
Dieses auffällige Reagieren kann je nach Typus der Persönlichkeitsstörung ganz unterschiedlich ausfallen: Menschen mit einer ängstlichen/vermeidenden Persönlichkeitsstörung wirken u.a. extrem still, ängstlich-besorgt und schüchtern und empfinden ihr Umfeld meist als sehr ablehnend; Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben u.a. große Schwierigkeiten, Impulse zu kontrollieren, Emotionen zu regulieren und dauerhaft Beziehungen einzugehen. Daneben gibt es zahlreiche andere Typen (histrionisch, narzisstisch, zwanghaft ...).
In der Regel hatten die Betroffenen eine sehr schwierige Kindheit, beispielsweise mit psychisch kranken Elternteilen, Schicksalsschlägen, Vernachlässigung von grundlegenden Bedürfnissen (körperlich, sozial, emotional oder kognitiv), fehlender Stabilität, psychischer Gewalt, teilweise körperlicher Gewalt und/oder Missbrauchserfahrung. Die heute fixen Erlebens- und Verhaltensmuster, die sich vor allem stark im zwischenmenschlichen Bereich bemerkbar machen (und hier vor allem auch für die Betroffenen spürbar werden), wurden während der schwierigen Kindheitsjahre oft als rettende Bewältigungsstrategien entwickelt. "Gesundes" Verhalten und Verstehen des sozialen Umfeldes konnten nicht ausreichend gut ausgebildet werden. Dies kann allerdings in einer Therapie ein Stück weit nachgeholt werden.

Aber auch wenn Sie nicht von einer Persönlichkeitsstörung betroffen sind, können Sie nach den Ansätzen der Schematherapie bzw. Schemaberatung fragen, um eigene, störende Muster grundlegend zu verstehen und von hier aus zu verändern. Letztlich kennt jeder und jede von uns (Therapeut*innen nicht ausgenommen) solche Baustellen - oder "Lebensfallen", in die wir immer wieder tappen, wie Eckhard Roediger, sie nennt. Roediger hat die Schematherapie nach Deutschland gebracht und hier maßgeblich zu deren Verbreitung beigetragen, ursprünglich wurde sie ab Ende der 1980er-Jahre von Jeffrey Young in den USA entwickelt.

Woher kommt nun der Begriff "Schema" in dieser Therapie? Damit sind sozusagen die "Schubladen" gemeint, in die ich eine erlebte Situation einordne und daraus dann denke, fühle, handele (das Schema, Plural: Schemata, ist das neuronale Netzwerk, das diese Schublade bildet). In der Regel in Stress-Situationen oder Trigger-Momenten interpretieren wir eine Situation entsprechend einem solchen, früh im Leben entstandenen Schema und packen es in die entsprechende Schublade. In der Folge reagieren wir auch nach dem zugehörigen alten Muster - auch wenn wir das gar nicht wollen. Man fühlt sich urplötzlich benachteiligt, zurückgesetzt, überfordert - oder oder oder - und reagiert ungehalten, wütend etc. - oder auch vermeidend, flüchtend, ängstlich etc., oder auch überkompensierend und auffällig. 
Die Verhaltens- und Erlebensmuster, die durch die Schemata aktiviert werden, nennt man Modus bzw. Modi in der Mehrzahl. Wie oben bereits erwähnt, entstehen Schemata und Modi in der meist schwierigen Kindheit sozusagen aus der Not heraus als damals hilfreiche Bewältigungsstrategien für andauernden emotionalen Stress. Da sie in dem Moment hilfreich waren, der emotionale Stress aber trotzdem nicht aufhörte, haben sich diese Muster verfestigt und zeigen sich in Trigger-Momenten (wenn mein Thema "angetriggert" ist) auch heute noch sofort wieder.

Beim Modus-Begriff wird noch einmal unterschieden, welcher "innere Anteil" der eigenen Persönlichkeit hier gerade denkt, fühlt oder agiert: Man unterscheidet innere Eltern-Modi (die verinnerlichten, oft negativ wirkenden Botschaften der Eltern und anderer prägender Personen), innere Kind-Modi (all unsere direkten, primäre Emotionen bzw. Gefühle: ängstlich, traurig, verletzt, wütend, bockig etc.), Bewältigungsmodi (Gefühle vermeiden, Vermeidungsverhalten, kompensierende Handlungen, sich selbst abwerten und den Eltern-Botschaften recht geben).
Des Weiteres beinhaltet das Modus-Modell den sog. Modus des Gesunden Erwachsenen. Hiermit sind alle Interpretationen, Bewertungen und Verhaltensweisen gemeint, die der / die Betroffene nun in der Therapie sukzessive lernen kann, um mit seinen Trigger-Situationen besser umzugehen: Wie gehe ich mit Gefühlen um? Wie erkenne ich meine Trigger? Was kann ich von den elterlichen Botschaften getrost aussortieren? Wie verhalte ich mich - anstelle meines nicht zielführenden Bewältigungsstils - lösungsorientiert, selbstunterstützend sowie förderlich für meine eigene Persönlichkeitsentwicklung? Somit geht es in der Therapie oder Beratung eben auch um eine Nachreifung.

Werkzeuge sind Gespräche über das Erleben bestimmter Situationen, Arbeitsblätter z.B. zum Kennenlernen eigener Bedürfnisse bzw. zum Umgang damit, Erstellen des eigenen Schema- bzw. Modus-Modells, Imaginationen, sog. Stühle-Dialoge, bei denen die eigenen Anteile/Modi in den Austausch gehen, Rollenspiele, Selbstinstruktionen u.a.